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The World Games 2022 Logo - ©TWG2022
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World Games 2022 - Rückblick

Die World Games 2022 in Birmingham sind beendet. Der erste große Auftritt der Sportart Flag Football bei einem internationalen Multisportereignis dürfte als gelungen bezeichnet werden und war eine gute Bewerbung für die Olympischen Spiele 2028.

Flag Football war das erste Mal Teil der World Games und ist es hoffentlich auch 2025 wieder, bevor es dann möglicherweise für 2028 ins Programm der Olympischen Spiele aufgenommen wird. Wir haben tolle (Final-)Spiele gesehen, die zuletzt zeigten, dass auch das US-Team schlagbar ist. Sicherlich ein kleiner Dämpfer für das Mutterland des Footballs.

Das Niveau des Damen- und Herren-Turniers war hoch. Bei den Herren dominierten die USA, dahinter zeigte sich aber, dass die Teams leistungstechnisch dicht beisammen liegen. Bei den Damen spielen die Mexikanerinnen aktuell wie von einem anderen Stern. Danach folgt der Rest, bei dem noch ein deutliches Leistungsgefälle zwischen Platz 3 und 8 zu erkennen ist.

Der Sport selber hat sich als schnell, spektakulär, mitreißend und fernsehtauglich präsentiert.

Nicht alles war toll

Wo es Licht gibt, ist auch Schatten. Denn nicht alles rund um die World Games kann als Erfolg verbucht werden.

Hier ist sicherlich die Sichtbarkeit in den Medien zu nennen, die für alle zu Hause gebliebenen Fans nicht optimal war. In den Ländern, insbesondere (Süd-)Amerika, in denen Flag ein sowieso ein größeres Ansehen und Interesse genießt als in Deutschland, wurden die Spiele der Nationalmannschaften live übertragen. In Europa und Deutschland hingegen wurde diese Sportart vom übertragenden Sender Sport1 jedoch nur sehr spärlich gezeigt.

Nur die Finals fanden den Weg ins Livebild, und die liefen entsprechend der Zeitverschiebung, mitten in der Nacht. Ja, die Rettungsschwimmer und Faustballer sind erfolgreicher als die Flag Footballer und verdienen es, dass ihre Wettkämpfe gezeigt werden. Nicht ganz so nachvollziehbar ist allerdings die sehr ausführliche Übertragung von Gewichtheben ohne deutsche Beteiligung. Hier wäre es schön gewesen, dem zeitgleichen Auftritt eines deutschen Teams die Aufmerksamkeit zu schenken. Der Sender hatte sich mit Oliver Krämer extra einen Top-Experten ins Boot geholt, diesen Trumpf aber leider erst zu den Finalen ausgespielt und die Chance verpasst, Flag Football einer breiteren Öffentlichkeit vorzustellen.

Aber auch andere Medien haben hinsichtlich der Berichterstattung zu den World Games 2022 keine gute Figur gemacht, ganz unabhängig vom Flag Football. Auf sportschau.de finden sich ganze 5 Beiträge zu den World Games, davon 4 mit dem Aufhänger Beach-Handball. Beim ZDF sind die "World Games" scheinbar gänzlich unbekannt. Aber auch die Sportredaktionen der überregionalen Tageszeitungen scheinen dieses Event nicht mitbekommen zu haben. Eine Berichterstattung vom zweitgrößten Multisportevent nach Olympia sollte anders aussehen! Das haben alle Sportler:innen, die an den World Games teilnehmen, verdient.

Aber auch beim Turnier selbst gab es einige fragwürdige Entwicklungen. Da ist die kurzfristige Änderung des Turnierplans zu nennen. Am Ergebnis hat dies wohl nichts geändert, doch was für ein Eindruck entsteht dabei? Dies ist ähnlich intransparent, wie die Änderungen der Gruppen bei der WM 2021.

Auch die Regeländerungen sehen wir kritisch. Was sollten diese Regeländerungen bringen? Eine Verkürzung der Sendezeit? Das Resultat war vor allem, dass in der Crunch Time Zuschauer und Reporter dem Spiel hinterherhinken. Die Zeit zwischen den Spielzügen reichte oftmals nicht aus, um zu erkennen, welches Foul begangen wurde oder um eine Zeitlupe des letzten Spielzuges einzuspielen. Neben den bereits genannten Auswirkungen auf die Spieltaktik selbst.

Die USA sind nicht mehr das Maß aller Dinge

Es hatte sich schon im Februar angedeutet, als im Rahmen des Superbowl-Showprogramms die Mexikanerinnen das Rematches des WM-Finales gegen die USA gewinnen konnten.

Im Finale der World Games waren die Damen aus den USA allerdings einfach nur chancenlos. Zwar lief es zu Beginn des Spiels mit einer Strafe, einem Pick Six und einem Safety gleich maximal unglücklich gegen sie. Doch sollte ein Spitzenteam in der Lage sein, auch in dieser Situation kühlen Kopf zu bewahren, sich auf die eigenen Stärken zu besinnen und notfalls das eigene Spiel umzustellen.

Doch nichts davon geschah. Fast etwas kopflos und übermotiviert agierten die US-Damen und kassierten einige Flaggen für illegalen Kontakt. Je länger das Spiel dauerte, desto weniger hatte man den Eindruck, dass ein Comeback möglich sein könnte, zu überlegen waren die Mexikanerinnen in allen Belangen. Sie wirkten im Vergleich spritzig, dynamisch, austrainiert, waren immer zu Stelle und den Amerikanerinnen fiel nichts ein, um die unglaublich aufmerksame und nahezu fehlerfrei spielende Defense zu überwinden. Am Ende gelang den US-Damen nur der Ehrentouchdown. Viel zu wenig für ein solches Topteam.

Das Damen-Team der USA ist im Durchschnitt 33 Jahre alt, das mexikanische 28 Jahre. Mexikos Quarterback Diana Flores ist 24 Jahre alt, US-Spielmacherin Vanita Krouch 41. Eine Wachablösung im Damen-Flag Football hat stattgefunden!

Die US-Herren konnten sich noch ein weiteres Mal auf ihre individuelle Klasse verlassen. Oftmals wirkte das Spiel des Titelverteidigers ohne ihren etatmäßigen Quarterback Eric Holliday improvisiert und "wild". Doch ist es evtl. auch das, wohin sich das internationale Top-Flag Football entwickeln wird. Weg von klassischen Quarterback-Plays zu Spielzügen mit mehreren Passern, mit Trickplays und Run-Options. Doch auch bei den Männern wird das Gap kleiner. Italien spielte "klassisch" und punktete, nur sie verwandelten nicht die Extrapunkte. So ließen sie 12 Punkte liegen, die den Sieg hätten bedeuten können!

Damen-Finale Mexiko vs. USA

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Herren-Finale Italien vs. USA

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Der deutsche Aufritt

Als sehr unglücklich lässt sich sicherlich der Auftritt des deutschen Teams bezeichnen. Von Beginn an stand das Turnier unter keinem guten Stern. Es ist schon sehr traurig zu sehen, was dem deutschen Team bei dem Turnier alles widerfahren ist. Es fing bereits mit der holprigen Anreise an. Im Turnier verkauften sie sich dann gut, aber es fehlte das Quäntchen Glück. Ein von Ergebnis her gutes Spiel gegen Italien, eine knappe Niederlage gegen Österreich, verletzte Spieler und eine Klatsche gegen Mexiko. Dann das Corona-Aus und die Streichung der Ergebnisse.

So konnten die deutsche Mannschaft in der Platzierungsrunde um die Plätze 4 bis 8 nicht zeigen, auf welchem Level sie im Vergleich der "Bottom Four" spielt. Was wir gesehen haben, hat uns bedauerlicherweise nicht einhundert prozentig überzeugt. Viel zu oft ein "Hoch und weit bringt Sicherheit" in der  Offense. Auch wenn man große Receiver im Kader hat, sind diese dann doch nicht alle so erfahren, durchsetzungs- und fangstark, dass dieses Konzept gegen Weltklasseteams aufgehen könnte. Auch schien die Offense nicht flexibel genug zu sein, um auf Anpassungen der gegnerischen Defense reagieren zu können. Oder warum folgte auf eine erste Halbzeit auf Augenhöhe eine zweite, in der nur wenige bis keine Punkte erzielt werden konnten?

Die Defense hingegen hat einen guten Job gemacht und sich im Vergleich zur WM stark verbessert präsentiert. Es gelangen in jedem Spiel mehrere Stopps, die jedoch von der Offense nicht in Punkte umgewandelt werden konnten.

Vor und zu Beginn der World Games ist der deutsche Hypetrain durch die Social-Media-Kanäle gerauscht. Das Team, die Spieler, der Verband, alle haben ständig und alles gepostet, Repostet und Rerepostet - zumindest bis nach dem dritten Spiel. Danach Funkstille. So bietet das für die interessierten Follower allerdings keinen Mehrwert. Ein Auftritt ballermann-like und oberkörperfrei im Zuschauerrang "rundet" das Bild ab.

Es fehlte die lenkende Hand für das Ganze, so wie es bei der WM in Israel scheinbar noch der Fall war. Es ist eine Nationalmannschaft(!) und so sollte sie sich auch in allen Bereichen präsentieren.

In annähernd zwölf Monaten startet die Flag Football-Europameisterschaft in Irland. #unfinishedbusiness gilt aber nicht nur für das Turnier bei den World Games. Wir sehen im konzeptionellen und taktischen Bereich noch "unfinishedbusiness", welches bis zur EM aufgearbeitet werden muss.

Nun könnte man meinen, dass wir vieles schlecht finden und viel Negatives sehen. Stimmt auch – in Teilen und es wäre doch sehr verwunderlich, wenn es keine Kritikpunkte gebe. Doch die positiven Aspekte überwiegen natürlich auch für uns:

  • Es ist toll, welche (internationale) Aufmerksamkeit Flag Football erfährt.
  • Es ist beeindruckend, auf welchem körperlichen, taktischen und technischen Niveau Flag Football international gespielt wird.
  • Auch die Entwicklung des deutschen Teams vom Neuanfang 2021 bis jetzt kann als sehr positiv bezeichnet werden.
  • Flag Football ist auf dem Weg nach Olympia!

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